|
von Sascha Pankratz
Artikelübersicht 1991 Artikelübersicht 2001 Tendenzen Abschluß und Wertung
II. Artikelübersicht 1991
In dem fünfspaltigen Artikel mit ca. 80 Zeilen befasst man sich mit der Kritik eines Vaters an der erzwungenen Teilnahme aller Schüler an einer Friedensdemonstration die auch politische Inhalte vermittelte. Es handelte sich der Vollständigkeit halber erwähnt um den Golfkrieg, in dem die USA und ihre Verbündeten gegen den in Kuwait einmarschierten Irak kämpften. Die Veranstaltung , die während der Unterrichtszeit stattfand, sei moralisch nicht zu verantworten, da Kinder für politische Zwecke eingespannt würden; so die Meinung des Vaters. Als Einführung wird ein Zitat genannt, welches seine Auffassung genauer wiederspiegelt. Zu lesen im Anhang. Der Bericht entbehrt jeglicher Wertung durch Redakteure und beschränkt sich darauf, verschiedene Meinungen wiederzugeben. Wir billigten der Publikation deswegen ein hohes Maß an Objektivität zu.
Der Zweispalter mit 30 Zeilen und einem Bild beschreibt die Zusammenkunft von Menschen zu einer Mahnwache im Zuge der Anti-Golfkrieg-Bewegung am einem zentralen Wetzlarer Platz. Die zum überwiegenden Teil bürgerlichen Teilnehmer wurden an einem Stand mit Informationen versorgt und ein Sprecher richtete einige Appelle an sie. Der Artikel enthielt nur Informationen, jedoch werden einige Adjektive gebraucht, welche die Meinung der Verfassers spiegeln könnten. Deshalb stuften wir den Artikel als recht objektiv ein.
Der zweispaltige Artikel setzt sich in 40 Zeilen mit dem Vorhaben der Jungen Union auseinander, die Landtagswahl in Hessen aufgrund des Versuches von Studenten Wähler bei ihrer Stimmabgabe zu beeinflussen anzufechten. In einem der wenigen Artikel, die von Aktionen berichten, die den jungen Ablegern der großen Parteien entsprangen, werden auch vermeintliche Verstöße gegen die hessischen Wahlgesetze gemeldet. Diese Informationen gibt der Autor in einem wertungsfreien Konjunktiv ab. Auch der letzte Absatz, der ein vergleichbares Ereignis in der Wetterau dokumentiert ist objektiv und informativ. Insgesamt werten wir diesen Artikel als objektiv.
Der 27 zeilige Bericht kündigt die Teilnahme einer Anti-Atomtestgruppe
an einer internationalen Fastenaktion an. Die Strukturen der heimischen
GAW (Gewaltfreie Aktion Wetzlar) werden nicht beleuchtet, wohl aber die
groben Zielsetzungen der gesamten Bewegung. Die Problematik der Durchsetzung
wird kurz auf den Punkt gebracht und die Chance zur Mitbeteiligung wird
durch Abdrucken der Aktionszeiten und Datum geboten.
17 Zeilen ohne Subjektivität seitens des Autors geben Forderungen und Zitate eines aktiven Mitglieds der NPD wieder. Es wird u. a. eine Stadtpartnerschaft zwischen Frankfurt und Bagdads gefordert, das die "U.S. Besatzer aus Deutschland abziehen" sollen und das Solidarität bekundet werden wolle mit der Zivilbevölkerung im Irak. Zwar enthielt sich der Redakteur mit subjektivem Inhalt, möglich wäre es aber dennoch, das durch Weglassung von Fakten ein differenter Eindruck entsteht zu der wirklich gewünschten Aussage der NPD-Funktionärin. Das lässt sich so selbstverständlich nicht nachvollziehen, also lautet unser Urteil: Objektiv. III. Artikelübersicht 2000
In 55 Zeilen und 4 Spalten wird von drei Straftaten berichtet, die zeitgleich von Jugendlichen, die der rechten Szene zuzuordnen sind, begangen worden sind. Im Verlauf des Artikels wird außer dem tätlichen Angriff auf einen Iraner auch über die Entweihung einer Synagoge sowie die Verunstaltung mehrerer öffentlicher Gebäude mit verbotenen NS-Symbolen und einschlägigen Parolen berichtet. Abschliessend sind wir der Meinung, dass wertungsfrei Informationen an den Leser vermittelt werden sollten. Im Gegensatz zu vielen anderen Berichten dieser Zeitung wird auf Meinung, die eine eigene Stellungnahme darstellt, verzichtet. Wir sagen deswegen: äußerst Objektiv.
Der Artikel, der mit 32 Zeilen eine Demonstration in Berlin beschreibt, stellt die verhältnismäßige Planungsfähigkeit der Polizeikräfte in Berlin in Frage. Die Demonstration, initiiert von linksextremistischen Gruppen mit überwiegend jugendlichen Teilnehmern lief gewaltfrei ab, rief jedoch doppelt so viele Polizisten wie Demonstranten auf den Plan. Dieses wurde von den städtischen Oppositionspartei gegen den Innenminister verwandt. Unser Team konnte keine Hinweise darauf finden, dass journalistisch irrelevante Inhalte eingebracht wurden. Aufgrund dessen befinden wir diesen Beitrag für Objektiv. NPD-Verbotsantrag in wenigen Tagen Ein Bericht mit 2 Spalten und 58 Zeilen sollden Antrag der Bundesregierung
auf das Verbot der Partei NPD beleuchten. Die kritisierende Aussage der
Opposition, damals die CDU, wurde wiedergegeben, wobei die Regierung beschuldigt
wird, ohne Verdeutlichung des eigenen Standpunktes, konform mit den anderen
Verfassungsorganen gehen zu wollen. Das Hauptargument der NPD-Gegner ,
das ein Verbot legitimieren sollte, sind Parolen und Aussagen der jungen
Nationaldemokraten, die als Volksverhetzung gewertet werden könnten.
Eindeutig war festzustellen, das die Vielfalt der Themen jugendlicher
Politik, über die berichtet wurde, weniger breit gefächert war.
Die jungen Ableger der etablierten Parteien kamen in unserem Bearbeitungszeitraum
überhaupt nicht zu Wort. Da wir uns nicht vorstellen können,
das diese Gruppierungen in der Zeit inaktiv waren, kommen wir zu dem Schluss,
das gewährte Medienpräsenz auch abhängig ist von gewissen
politischen Modeerscheinungen. Um das mit Fakten zu belegen wollen wir
den Sommer des Jahres 2000 wieder in das Gedächtnis rufen. Rechtsextremismus
wurde ein immer wiederkehrendes Thema, das zahlreichen Titelseiten füllte,
obwohl keine statistische Zunahme rechter Gewalt zu verzeichnen war. Und
obwohl Rechtsextremismus und seine Folgen fast schon traditionsgemäß
mit außerparlamentarischer Politik in Verbindung gebracht wurden,
haben großen Parteinen diese Thematik in diesem Zeitraum instrumentalisiert.
Das führte dazu, dass die ohnehin geringe Medienpräsenz von
politisch aktiven Jugendlichen weiter geschmälert wurde und großen
Parteien noch mehr Beachtung geschenkt wurde. Obwohl es möglich wäre
das Aufgrund unserer eigenen Einschränkungen bei der Recherche nicht
alle Berichte den weg in unsere Redaktion fanden, sind wir zu der Auffassung
gekommen, das Jugendliche sich politisch immer mehr zurückhalten.
Ob der Grund dafür die immer unattraktiver wirkenden Aktionsformen
sind oder ein generelles Nachlassen des Interesses in Politik konnten
wir nicht nachvollziehen.
Die in unseren Augen größte Gefahr ist, dass sich das Desinteresse Jugendlicher an Politik noch ausweitet und die Initiativen, die schon immer ein Anlaufbecken politisch interessierter Jugendlicher darstellten, an Anziehungskraft verlieren. Die Rolle der Medien muss dabei kritisch hinterfragt werden, da sie durch nicht vorhandenen Berichte über Aktivitäten junger Partizipanten der Politik das Interesse der Jugendlichen nicht fördert. Die Printmedien müssen sich über ihre Rolle in dem Prozess der Entwicklung von Jugendlichen zu vollständigen Teilnehmern am politischen Geschehnen im Klaren sein. Dieses gilt es aus pädagogischen Gründen zu fördern. Das erfordert die Übernahme einer Rolle, welche die Zeitungen übernehmen müssen, weit ab dem bundesweitem Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Verlagsgruppen. Der Trend zu leichtverständlichen Infomationshäppchen, gepaart mit vorgefertigten Meinungsspiegelungen reduziert den Anspruch des durchschnittlichen Teilnehmers der Medienlandschaft auf das pure Konsumieren von Meinung und Image. Und obwohl die Berichterstattung im Normalfall nicht unseren Idealvorstellungen von objektivem Journalismus entsprach, bescheinigen wir der WNZ ein recht hohes Maß an Objektivität zu. Bemerkenswert ist trotz alledem, dass die Fähigkeit zu differenzieren gefragt ist wie noch nie, denn die Medienvielfalt verursacht bei dem durchschnittlichen Jugendlichen eine Unsicherheit betreffend seiner Urteilsfertigkeit.. Abschließend möchten wir uns bedanken für die kooperative Zusammenarbeit mit dem Wetzlarer Stadtarchiv durch die unsere Untersuchungen erst realisiert werden konnten. Entgegen der Versprechen der WNZ erhielten wir erst die erforderliche Unterstützung, nachdem wir uns an eine immerhin von der WNZ empfohlene Stelle wandten, die Informationen auch kostenfrei weitergaben. |